Wichtig: Die Diagnose ADHS setzt voraus, dass Symptome schon in der Kindheit vorlagen. Wenn nicht, ist eine andere Störung zu diagnostizieren.
FAQ-ADHS: Die wichtigsten Antworten auf Ihre Fragen
ADHS zeigt sich sehr individuell.
Die Kernsymptome sind:
1. Aufmerksamkeitsdefizit
2. (motorische) Hyperaktivität
3. Impulsivität
Sie treten in unterschiedlicher Ausprägung, bzw. Kombination auf.
ADHS zeigt sich unter anderem in:
- Aufschieben von wichtigen Aufgaben
- Konzentrationsschwäche und mangelndes Durchhaltevermögen
- Mangelnde Organisation von Leben und Arbeit
- Impulsivität und Sprunghaftigkeit
- Selbstzweifel, Stimmungsschwankungen
- Hoher Energieaufwand, dadurch ständig müde und erschöpft
- Flüchtigkeitsfehler und Vergesslichkeit
- Kaufsucht, Rauchen, Drogensucht (als schädliche Gegenstrategien)
- Beziehungsprobleme
- Depressionen, Ängste, Zwänge
Viele der o.g. Symptome bzw. Beeinträchtigungen treten auch bei anderen Erkrankungen oder Störungen auf. Diagnostisch muss immer zuerst geklärt werden, ob eine andere Erkrankung die Symptome nicht besser erklären kann als eine ADHS-Diagnose. Ein essentielles Kriterium für ADHS ist das Auftreten bereits in Kindheit und Jugend.
ADHS wirkt sich meist auf mehrere Lebensbereiche aus:
Schule und Arbeit
Misserfolge trotz guter Intelligenz; Schul- und Studienabbrüche
Finanzen
Impulskäufe, schlechter Umgang mit Geld, Überschuldung, keine Altersvorsorge
Gesundheit
Psychische Störungen als Komorbiditäten.
Zahlreiche körperliche Erkrankungen wegen Selbstüberforderung und schädlicher Gewohnheiten (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum, Essen, Risikoverhalten).
Häufigere Einschränkung der Erwerbsfähigkeit und Lebensarbeitszeit
Geringere Lebenserwartung (statistisch bis zu 9 Jahre niedriger)
Beziehungen
Häufige Konflikte zum Beispiel wegen Impulsivität. Häufigere Partnerwechsel.
Eine ADHS tritt stets bereits in Kindheit und Jugend auf. Früher wurde von vielen angenommen, dass sie im Erwachsenenalter einfach so verschwindet. Wie man heute weiß, trifft das aber in den meisten Fällen nicht zu. Sie zeigt sich lediglich anders.
Für eine ADHS-Diagnose ist es nie zu spät!
Viele Probleme und Störungen im Leben eines Menschen werden isoliert bearbeitet und behandelt. Wenn allerdings eine nicht erkannte ADHS als verborgene Grundstörung hinter den Problemen steckt, sind die Maßnahmen oft nicht nachhaltig.
Ist eine ADHS als Grundstörung aber festgestellt, hat das enorme Auswirkungen auf die Therapiemöglichkeiten. Denn jetzt kann man mehrere Fliegen (Begleitstörungen) mit einer Klappe schlagen.
Eine fachkundige Diagnostik ist der erste und wichtigste Schritt in die erfolgreiche Behandlung von ADHS.
Diagnose und Medikation sind oft der Gamechanger, der das gesamte Leben zum Positiven wenden kann. Egal in welchem Alter.
Oft sind nach Aufnahme der Medikation auch keine größeren Maßnahmen mehr erforderlich.
Ist die Grundstörung erst einmal im Griff, kriegen die Betroffenen es in vielen Fällen selbst gut hin.
Nicht jede ADHS ist behandlungsbedürftig. Es hängt u.a. davon ab:
- wie schwer die Störung ausgeprägt ist
- wie unterstützend das Umfeld in Kindheit und Ewachsenenalter war
- welche Bewältigungsstrategien die Betroffenen entwickeln konnten
- wie stark das Leben beeinträchtigt ist
Eine ADHS ist nicht immer nur schlecht. Ist die Ausprägung nicht zu stark und stimmt das Umfeld, kann man auch statt von einer Störung von einem Persönlichkeitszug sprechen.
Menschen mit ADHS sind oft sehr kreativ, unterhaltsam, charmant, wissbegierig und denken schnell.
In Gefahrensituationen bleiben sie oft erstaunlich cool und handlungsfähig, wenn andere in Panik sind.
ADHS´ler finden sich häufig in folgenden Berufen:
-Künstler
-Journalisten
-Feuerwehrleute
-Polizisten
-Notärzte
Leider können viele Betroffene die positiven Aspekte einer ADHS aber nicht richtig nutzen. Ob das gelingt, hängt unter anderem von der Schwere der Störung ab.
Und hier noch die gute Nachricht zur Medikation:
Die Vorteile einer ADHS bleiben auch unter Medikation erhalten.
Man hat aber jetzt Kontrolle darüber, wie und wann man sie nutzt.
Ganz klar „Nein“!
Man könnte zwar den Eindruck haben, angesichts der vielen Influencer und „Promis“, die sich dazu bekennen. Und ADHS bekommt in den Medien auch gerade sehr viel Aufmerksamkeit.
Aber die Statistik sagt etwas anderes.
Viele Studien zeigen mittlerweile, dass konstant ca. 5 % der Bevölkerung von ADHS betroffen sind. Kinder und Jugendliche wahrscheinlich etwas mehr, Erwachsene etwas weniger.
Laut Daten der Krankenkasse AOK befinden sich aber Stand 2023 nur 0,5 % der erwachsenen Mitglieder in Behandlung. Also nur 10% der mutmaßlich Betroffenen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass nicht jede ADHS behandlungsbedürftig ist, kann man also wirklich nicht davon sprechen, dass zuviele Diagnosen gestellt bzw. Therapien durchgeführt werden.
Zwei Gründe sind wohl für den Eindruck einer Modediagnose verantwortlich:
Bisher war ADHS bei Ärzten und Psychotherapeuten diagnostisch nicht so präsent und wurde objektiv zu selten diagnostiziert.
Der Anstieg an Diagnosen spiegelt nur den Nachholbedarf.
Literaturempfehlungen
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Publikationen zum Thema ADHS.
Neben den wissenschaftlichen Beiträgen und reinen Fachbüchern sind in letzter Zeit eine Menge Bücher erschienen, die der Ratgeberliteratur zuzurechnen sind.
Die Qualität bzw. Brauchbarkeit schwankt dabei erheblich. Ich beschränke mich an dieser Stelle auf einige wenige, dafür aus meiner Sicht herausragende Bücher.
Für den täglichen Umgang mit ADHS, vor allem im Beruf:
Lachenmeier, H.: „Mit ADHS erfolgreich im Beruf“
(Springer, 2. Auflage 2024)
Das Buch zeigt in leicht verständlicher, gut lesbarer Form und mit einem Schuss Humor, wie man als Betroffener konstruktiv mit ADHS umgeht und sogar Vorteil daraus ziehen kann. Mit vielen praktischen Tipps.
Umfassende Darstellung und Erklärung von Symptomen, Ursachen, Therapiemöglichkeiten:
Krause, Johanne und Krause Klaus-Henning: "ADHS im Erwachsenenalter"
(Schattauer, 2021)
Ein Standardwerk. Das Buch richtet sich sowohl an das Fachpublikum, als auch an Betroffene und sonstige Interessierte. Es ist trotz des hohen fachlichen Niveaus gut lesbar und bietet anschauliche Beispiele. Man muss es nicht zwingend von Anfang bis Ende lesen, sondern kann sich die Dinge heraussuchen, die gerade von besonderem Interesse sind. Das Buch ist auch gut als Nachschlagewerk zu gebrauchen.
Eher was für Profis:
Tebarz van Elst, L.: "Autismus, ADHS und Tics"
(Kohlhammer, 2023)
Wie gesagt, primär als Fachbuch mit einem speziellen Fokus geschrieben. Was mir sehr gut gefällt und weswegen ich es Betroffenen empfehle, ist die Klarstellung, dass z.B. ADHS nicht nur als Störung bzw. „Erkrankung“ gesehen werden muss. Diese Differenzierung wird klar und mit messerscharfer Logik herausgearbeitet. Ich finde es wichtig, ADHS nicht automatisch mit Krankheit oder Problemen zu assoziieren, sondern auch die möglichen Vorzüge zu sehen.
In sicheren Händen.
Ihr Anliegen ist mir wichtig.
Ich arbeite seit 30 Jahren als Psychologe mit Schwerpunkt auf
psychologische Diagnostik und Beratung.
Im Laufe der Jahre habe ich immer mehr darüber erfahren, welche Folgen eine unerkannte ADHS für das Leben meiner Klienten hatte. Und durch ADHS in meinem engeren persönlichen Umfeld habe ich hautnah erfahren, was ADHS bedeutet.
Ich habe aber auch gesehen, wie sich das Leben der betroffenen Menschen durch Medikation, Psychotherapie oder auch nur durch Training massiv zum Besseren wenden kann. Einfach so...
Aus diesem Grund habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, bisher unbekanntes ADHS bei meinen Klienten zu diagnostizieren und ihnen zu Klarheit und einem angemessenen Umgang mit dieser Störung zu verhelfen.
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Ich neige dazu, unangenehme oder langweilige Aufgaben vor mir herzuschieben, bis es nicht mehr geht.
Beim Fernsehen mache ich nebenher noch Dinge wie surfen, Social-Media, lesen.
Es ist mir schon oft passiert, dass ich neue Projekte oder Hobbies mit viel Energie begonnen habe und plötzlich das Interesse daran komplett verlor.
Ich kaufe häufig Dinge aus einem Impuls heraus, auch wenn ich sie nicht brauche.
Ich greife regelmäßig zu Zigaretten, Alkohol oder anderen Mitteln, um mich zu beruhigen.
Meine Leistungen in Schule und Beruf hängen stark davon ab, ob mich das Thema interessiert.
Ich bin vergesslich. Ich suche öfter mein Handy, meine Schlüssel oder andere Dinge.
Ich rede viel. Ich unterbreche andere Leute häufiger, weil mir das alles zu langsam geht.
Ich habe schon oft Probleme gehabt, weil ich Termine verpasst oder Fristen nicht eingehalten habe.
Ich habe nicht den Erfolg, den ich mit meinen Fähigkeiten eigentlich haben könnte.
Ich habe schon öfter ohne zu überlegen Dinge gesagt, die mir geschadet oder andere Menschen verletzt haben.
Um Fehler zu vermeiden, überprüfe ich meine Handlungen immer und immer wieder, wie unter einem Zwang.
Ich kann mich schlecht entspannen. Auch in Ruhephasen bin ich innerlich unruhig und habe das Gefühl, dass ich irgendetwas tun müsste.
Wenn eine Aufgabe mich nicht interessiert, habe ich große Probleme, mich zu konzentrieren und dran zu bleiben.
Es macht mich sehr unruhig, wenn ich in einem Stau stehe oder in einer Schlange im Supermarkt.
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ADHS Abklärung sinnvoll
Sie haben mehr als sechs Fragen mit "Ja" beantwortet. Je höher die Anzahl der "Ja"-Antworten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von ADHS betroffen sein könnten.
Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nicht um einen standardisierten wissenschaftlichen Test handelt und die Ergebnisse keine Diagnose darstellen.
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ADHS weniger wahrscheinlich
Sie haben weniger als sieben Fragen mit "Ja" beantwortet. Je niedriger die Anzahl der "Ja"-Antworten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von ADHS betroffen sein könnten. Sollten Sie unsicher sein oder auch Fragen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf.
Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nicht um einen standardisierten wissenschaftlichen Test handelt und die Ergebnisse keine Diagnose darstellen.